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Für interessierte Volleyballfans ein Ausflug in die Historie des Volleyballspiels und ein Überblick über die Regeln dieser Sportart
Um die Jahrhundertwende wurde das Volleyballspiel an einem College in Massachusetts entwickelt. Ursprünglich sollte es nur dazu dienen, die Basketballspieler der Hochschule während des Winters mit einem Hallenspiel in Form zu halten; entsprechend wurde es auch mit einem Basketball über ein 1,83 hohes Tennisnetz gespielt. Dann aber verbreiteten Sportlehrer des Christlichen Vereins junger Männer (YMCA) das Spiel, und innerhalb von 20 Jahren war Volleyball in den Vereinigten Staaten, Kanada und Indien bekannt geworden. Nach dem II. Weltkrieg griffen die Ostblockstaaten sowie Japan und Korea das Spiel auf und wurden bei internationalen Wettbewerben sehr erfolgreich. Der Deutsche Volleyball Verband hat zirka 450000 Mitglieder. Es gibt nationale, im Vierjahresabstand europäische und Weltmeisterschaften, Wettbewerbe um den Westeuropa-Pokal (Spring-Cup) und den Worldcup, der jeweils im Jahr nach einer Olympiade ausgespielt wird. Seit 1964 ist Volleyball olympische Disziplin für Damen und Herren. Ein Hallenspiel ist Volleyball überwiegend geblieben, es kann aber auch im Freien gespielt werden.
Das Spielfeld ist 18 Meter lang und 9 Meter breit, auf der Mittellinie ist in 2,43 Meter (Herren) beziehungsweise 2,24 Meter (Damen) Höhe das Netz gespannt. Die Oberkante wird durch einen weißen Leinenstreifen markiert. Bei modernen Wettkämpfen sind oberhalb des Netzes zu beiden Seiten Antennen angebracht und deutlich zweifarbig gekennzeichnet. Nur innerhalb des Raumes zwischen den Antennen darf der Ball das Netz überqueren. Eine Berührung der Antennenstäbe durch Ball oder Spieler ist ein Fehler. Um das Spielfeld herum ist ein Freiraum von 2 Metern vorgeschrieben, über dem Spielfeld fordern die Regeln eine lichte Höhe von 7 Meter. Jede Spielfeldhälfte hat zum Netz hin einen 3 Meter breiten, mit einer Linie gekennzeichneten Angriffsraum. Die gesamte Grundlinie kann zur Aufgabe genutzt werden. Von dort werden die Bälle über das Netz in die gegnerische Hälfte des Spielfeldes gespielt. Asphalt-, Stein- und Zementböden sind aufgrund von Verletzungsgefahr unzulässig. Spielgerät ist der luftgefüllte, weiche Lederball; er hat 66 Zentimeter Umfang und wiegt 260 Gramm. Die Spielregeln: Beim Volleyball kann nur diejenige Mannschaft Punkte gewinnen, die das Aufschlagrecht hat. Der erste Aufschlag beim Spielbeginn wird ausgelost. Danach hat jede Mannschaft so lange Aufschlag, bis ihr ein Fehler unterläuft. Von da an erfolgt der Aufschlag durch die jeweils andere Mannschaft. Beim Volleyball stehen einander zwei Mannschaften mit 6 Spielern gegenüber, jeweils in zwei Reihen. In der ersten Reihe stehen die 3 Angriffsspieler, in der zweiten Reihe die Abwehrspieler. Auf der Reservebank sitzen 6 Auswechselspieler, die alle gegen die im Feld befindlichen ausgetauscht werden können.
Ziel des Spiels ist es, den Ball so raffiniert über das Netz zu schlagen, dass die gegnerische Mannschaft den Ball nicht erreicht und nicht zurückschlagen kann. Der Ball darf den Boden nicht berühren. Der ankommende Ball kann mit dem ersten Schlag, muss aber spätestens mit dem dritten Schlag über das Netz zum Gegner zurückgeschlagen werden. Ein Spieler darf den Ball nicht zweimal hintereinander berühren, muss ihn also stets einem Spieler der eigenen Mannschaft zuspielen, wenn es nicht möglich ist, unmittelbar über das Netz zu spielen. Ausnahme: Ein zweites Mal darf der Spieler nach einem Block den Ball berühren, wenn er ins eigene Spielfeld fällt. Allerdings darf ein Spieler auch den ersten und dritten Ballkontakt haben. Regelwidrig ist es, den Ball zu fangen oder auch nur Bruchteile von Sekunden zu halten oder durch nachschieben zu führen.
Volleyball besteht im wesentlichen aus vier Balltechniken: - Pritschen - beidhändiges, weiches Berühren des Balles mit den Fingern ohne Benutzung der Handteller; wird als Zuspiel zum eigenen Mann zur Vorbereitung des Schmetterballes benutzt (man sagt: oberes Zuspiel). - Baggern - beidarmiges Unterarmspiel, bei dem möglichst die Innenseiten der Unterarme gleichzeitig den Ball treffen sollen; wird überwiegend von Abwehrspielern zur Ballannahme und Weitergabe angewendet (man sagt: unteres Zuspiel). Baggern ist auch einarmig erlaubt. - Schmettern - einarmiges mit fixierter, gestreckter Hand und geschlossenen Fingern aus dem Sprung heraus; wird mit großer Kraft so ausgeführt, daß der Ball möglichst direkt auf den Boden der gegnerischen Spielfeldhälfte auftreffen und vom Gegner nicht erreicht werden kann. Dabei darf der Spieler weder das Netz berühren noch in vollem Umfang mit einem Fuß die unter dem Netz befindliche Mittellinie übertreten. - Blocken - Entgegenstrecken beider Arme über Netzkantenhöhe, um einen gegnerischen Schmetterball abzuwehren. Dabei ist leichtes Übergreifen am Netz mit nach oben gestreckten Armen ausnahmsweise erlaubt. Beim Block versuchen Angriffsspieler einzeln, zu zweit oder zu dritt, den ankommenden Ball gleich am Netz abzublocken und im Sprung möglichst direkt in die gegnerische Spielfeldhälfte zurückzuspielen. Die blitzschnelle Aktion führt sehr oft zu einem Punkt, wenn der Block von der aufschlagenden Mannschaft gebildet werden kann.
Zunächst wird ausgelost, welche Mannschaft das Spiel beginnt. Der erste Ballkontakt zu Spielbeginn und nach jedem Fehler einer Mannschaft heißt Aufgabe. Die Aufgabe des Balles erfolgt hinter der Grundlinie, immer durch den rechten Verteidigungsspieler. Der Aufgabespieler ist nach dem Aufschlag von der Einhaltung der Positionsfolge befreit. D.h. er darf also im Hinterfeld jede Position einnehmen. Eine Mannschaft behält so lange das Recht zur Ballaufgabe (zum Anspiel), bis sie selbst einen Fehler macht. Bei jedem Aufgabewechsel von einer zur anderen Mannschaft muß die nun aufgebende Spielergruppe rotieren: Der rechte Angriffsspieler nimmt dabei den Platz des rechten Verteidigungsspielers ein, alle anderen rutschen im Uhrzeigersinn um einen Platz weiter. Die Rotation hat den Zweck, Spezialistentum unter den Spielern nach Möglichkeit in Grenzen zu halten.
Gespielt wird nicht nach Zeit, sondern nach Sätzen. Drei Gewinnsätze sind zum Sieg erforderlich. Übungs- und Freundschaftsspiele können auf zwei Sätze gespielt werden. Zwischen den Sätzen gibt es kurze Pausen (2 Minuten, vor einem fünften Satz 5 Minuten). Ein Satz zählt bis zu 15 Punkten, wenn dann eine der Mannschaften mindestens 2 Punkte zurückliegt (15 :13). Kommt es zum 14 :14, muß so lange weitergespielt werden, bis eine Mannschaft 2 Punkte Vorsprung erreicht hat. Es gibt jedoch in den ersten vier Sätzen eine Punktbegrenzung bei 17. Das bedeutet, nach einem Gleichstand von 16:16 gewinnt die Mannschaft, die den 17. Punkt erzielt, den Satz nur mit einem Punkt Vorsprung. Seitenwechsel findet nach jedem Satz statt. Die Zahl der Sätze hängt vom Spielverlauf ab. Sie beträgt bei - 3 Siegsätzen einer Mannschaft in Folge (3 : 0) 3 Sätze, - 3 Siegsätzen der einen, 1 Siegsatz der anderen Mannschaft (3 : 1) 4 Sätze, - 3 Siegsätzen der einen, 2 Siegsätzen der anderen Mannschaft (3 : 2) 5 Sätze. Ein Spiel kann also höchstens 5 Sätze haben. Kommt es zu einem 5. Satz, erfolgt Seitenwechsel innerhalb des Satzes, und zwar nach dem 8. Punkt für die führende Mannschaft. Dieser Satz wird als Tie-Break gespielt. D.h. jeder erfolgreiche Spielzug wird mit einem Punktgewinn bewertet.
Die Punktwertung bei "normalen" Sätzen ist einfach: Da die aufschlagende Mannschaft ihr Aufschlagrecht nach einem eigenen Fehler verliert, kann nur die Mannschaft Punkte verbuchen, die Aufschlag hat. Als Punkt für sie gilt jeder Fehler der anderen Mannschaft. Fehler sind: Der Ball geht ins Aus, tippt auf den Boden oder berührt eine Antenne; der Ball wird öfter als dreimal innerhalb einer Mannschaft gespielt; der Ball wird gefangen, gehalten, geschoben; der Ball berührt bei der Aufgabe das Netz; ein Spieler berührt das Netz oder greift darüber oder übertritt die Mittellinie. Außerdem darf ein Verteidigungsspieler in der Angriffszone den Ball nicht schmettern. Mit einem Punkt für die andere Seite wird auch geahndet, wenn bei Aufgabewechsel ein Aufstellungsfehler in der Rotation begangen wird. Volleyball wird von 2 Schiedsrichtern, 2 Linienrichtern (bei internationalen Spielen 4) und 1 Anschreiber überwacht, der erste Schiedsrichter sitzt in Verlängerung der Mittellinie außerhalb des Spielfeldes auf einem 2,50 Meter hohen Stuhl, der zweite steht ihm gegenüber. Die Linienrichter stehen an den Ecken des Spielfeldes.
z.T. Auszug aus: "Sport im Fernsehen. 150 Sportarten verständlich erklärt" von Gerhard Jäger Copyright: © by Rasch und Röhring Verlag, Hamburg <Seitenanfang> |